Donnerstag, 3. September 2015

Gesprächsabend bei der Hayek-Gesellschaft: »Liberalismus, Konservatismus und Hayek«

Am Mittwoch, den 2. September 2015 begannen zum Ende der Sommerpause wieder Vortragsabende der Friedrich August v. Hayek-Gesellschaft e. V. im Hayek-Club-Büro in Berlin. Das Thema dieses ersten Vortrags war »Liberalismus, Konservatismus und Hayek«. 

Friedrich August von Hayek.
Politisch liberal. Wertekonservativ.
Vortragender des Abends war Prof. Dr. Gerd Habermann, Sekretär der Hayek-Gesellschaft. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, bei der viele Teilnehmer ihre Mitgliedschaft in der FDP anführten, ging Herr Habermann auf das Verhältnis von Liberalismus und Konservatismus ein. Während der Liberalismus französischer Prägung an die Konstruierbarkeit gesellschaftlicher Strukturen glaube, betrachte der Liberalismus angelsächsischer Prägung Institutionen, Werte und Sitten als Träger von historisch konserviertem Wissen. Habermann beschrieb Strukturkonservatismus als eine Haltung der Selbstverteidigung bestehender Einrichtungen auch mit gewaltsamen Mitteln.
Das zeige sich auch in den Beharrungskräften wohlfahrtsstaatlicher Einrichtungen. Der Wertekonservatismus hingegen - im Einklang mit den Ideen des angelsächsischen Liberalismus - strebe nach einer Bewahrung und Nutzbarmachung des in Traditionen gespeicherten Wissens. Hayek, der in der englischen Tradition stand, war in diesem Sinne ein Wertekonservativer, aber ein Anti-Strukturkonservativer. Für ihn bestand Freiheit in der Abwesenheit von Zwang, die sich nur durch ein System von Regeln bewerkstelligen lasse. Was Menschen aus dieser »negativen Freiheit« machen liege nach hayekschem Verständnis allein in der Verantwortung des Einzelnen. 

Habermann zeigte schlüssig, dass eine politisch liberale Haltung einerseits und die persönliche Verpflichtung gegenüber Glaubensüberzeugungen, Traditionen und sozialen Gemeinschaften andererseits durchaus zusammen passen, dass sie sich sogar sinnvoll ergänzen. Liberalismus und Konservatismus seien insofern keine Gegensätze sondern unterschiedliche Betrachtungsebenen. Der religiöse Mensch könne die Möglichkeit der Glaubensausübung geradezu durch das Streben nach einer liberalen politischen Ordnung verteidigen. Der Liberale stehe dabei für Subsidiarität und gegen zentralisierte Staatsmacht. Abschließend betonte Habermann, dass die Kategorien »rechts« und »links« sich nicht als Einteilung anböten. In der öffentlichen Debatte werde »rechts« häufig leichtfertig als »böse« bewertet, »links« hingegen als »zumindest gut gemeint«.  

In der anschließenden Debatte unterstrich der Hayek-Experte Graf Batthyány, dass man an Hayek kaum ein anderes Liberalismusverständnis herantragen könne. Die Diskussion über Liberalismus und Konservatismus in der Hayek-Gesellschaft sei daher weitgehend eine Phantomdebatte. Die Veranstaltung endete mit einem Austausch darüber, was das Gesagte für die aktuelle Flüchtlingsproblematik bedeuten könne. In der Diskussion, an der sich insbesondere die Politiker Frank Schäffler (FDP) und Vera Lengsfeld (CDU) beteiligten, kamen im Spektrum des freiheitlichen Denkens unterschiedlichste Auffassungen zum Ausdruck. Damit bekam das akademische Thema dieses Vortragsabends einen praktischen Bezug, wie er aktueller nicht sein könnte.

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