Der Liberalismus kann verstanden werden als Integrationsprogramm. Integrationsfeinde sind Umverteilung
und kulturelle Hochmut. Der Liberalismus hilft nicht nur bei der Lösung der Integrationsprobleme, sondern auch bei der Bewältigung der Globalisierung.
Der Liberalismus als
Programm für kulturelle Integration
Der Liberalismus ist ein historisch erprobtes Integrationsprogramm.
Er ist das beste Rezept zur Bewältigung der Herausforderungen einer multikulturellen
Gesellschaft. Liberale Denker seit der Antike über John Locke bis Karl Popper
und Friedrich August von Hayek sind der Frage nachgegangen, wie Menschen mit
unterschiedlichen Überzeugungen friedlich zusammen leben können. Der
Liberalismus erreicht das, in dem er den Staat aus bestimmten Lebensbereichen
wie Familie, Religion oder Privateigentum heraushält. Die USA und die Schweiz
belegen die praktische Funktionsfähigkeit und Anziehungskraft liberaler Ideen.
In diese Länder wollten schon immer mehr Menschen ein- als auswandern,
Lebenszufriedenheit und Wohlstand sind dort besonders hoch.
Die Instrumente zur Verwirklichung des liberalen Programms
sind Gleichheit vor dem Gesetz, Privateigentum und Vertragsfreiheit. Der Liberalismus
will nicht unterschiedliche Lebensentwürfe einander anpassen, sondern das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen ermöglichen. Ihm stehen politische Vorstellungen
entgegen, die unter Integration die Vereinheitlichung von Lebensverhältnissen und
die Schaffung einer Einheitskultur verstehen.
Integrationsfeind 1: Umverteilung
und Gleichstellung
Triebfeder des liberalen Denkens ist die Überzeugung, dass
Menschen vor dem Gesetz gleich sind, ob klug oder dumm, groß oder klein,
häßlich oder schön, schwarz oder weiß. Die sozialistische Bestrebung, Menschen materiell
gleich zu stellen, ist keine
"Erweiterung" dieser Grundidee. "Gleichheit vor dem Gesetz und
materielle Gleichheit sind nicht nur zwei verschiedene Dinge, sondern sie
schließen einander aus.", so das Urteil von Hayek. Das gilt auch für die
zunehmenden Zwangsmaßnahmen der "Antidiskriminierungspolitik", auch
hier rückt der Staat von liberalen Prinzipien ab. Denn wenn der Staat Menschen
gleich machen will, muß er sie zwangsläufig ungleich behandeln. In Deutschland
erhalten Menschen mit Migrationshintergrund etwa doppelt so häufig Transferleistungen
wie Einheimische. Grundsätzlich spricht nichts gegen diese Transfers, die sich zu
Recht an alle Benachteiligten richten. Aber es ist auch klar: Noch mehr
Transfers sind nicht der Schlüssel zu gelungener Integration. Ludwig von Mises kam
zu dem Ergebnis: "Die Menschen wirklich gleich zu machen, reicht alle
menschliche Kraft nicht aus."
Die fehlende Kraft zeigt sich schon jetzt an den maroden
Sozialsystemen Europas. Gleichmacherei sorgt zwar kurzfristig für sozialen
Frieden, aber nicht für Integration. Auf der Seite der Empfänger können
Sozialtransfers Integrationsbemühungen einschläfern. Auf der Seite der Geber kann
die Umverteilungsbereitschaft ermatten. Schließlich nimmt Solidarität mit der
"sozialen Entfernung" ab: Kindern oder Geschwistern helfen wir auch
mal mit großen Beträgen über die Runden, zur Not auch dem Nachbarn oder dem
Vereinskollegen. Aber je geringer die soziale Übereinstimmung zwischen Geber
und Empfänger ist, desto weniger hilfsbereit sind wir. Es ist deshalb zwar unschön,
wenn Deutsche an Stammtischen die Kinderzahl kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund
hinterfragen, aber vom Standpunkt des Gebers aus nachvollziehbar. Denn der
Nährboden für solche Hinterfragungen ist nicht die kulturelle Distanz zu den
Transferempfängern, sondern die hohe Belastung der arbeitenden Bevölkerung.
Immerhin fließen schon zwei Drittel des Einkommens einer mittleren Fachkraft
über das Jahr gerechnet an den Staat.
Integrationsfeind 2:
Kulturelle Hochmut und Angst vor "Parallelgesellschaften"
Der zweite Feind der Integration ist Hochmut bezüglich der
eigenen Kultur, die Anmaßung zu wissen, was gut für Andere ist. Und die
fehlende Zurückhaltung beim Gebrauch von Macht beim Durchsetzen der eigenen
Weltanschauung über die Grenzen von Familie, Privateigentum und Religion hinweg.
Politische Hochmut ist nach meinem Empfinden besonders ausgeprägt bei den
Grünen. Dabei habe ich nicht die Inhalte grüner
Politik im Auge. Unliberal ist die Methode,
die Bereitschaft, bei der Umsetzung dieser Inhalte auf Macht und Zwang zu
setzen. Mir ist kein einziges politisches Feld bekannt, in dem Grüne für
weniger Staat und für mehr politische Demut eintreten, das Wort vom "Ökofaschismus"
ist zu hören. Aber auch bei Sozialdemokraten sind Forderungen wie die nach der "Lufthoheit
über die Kinderbetten" (Olaf Scholz) keine Seltenheit. Und die erfüllt von
kultureller Hochmut forderte die CDU vollmundig die "Leitkultur" ein.
Der Staat schlingt seine Tentakel nicht nur um Raucher und
Counterstrike-Spieler. Auch in Glaubens- und Wertefragen macht sich kulturelle
Hochmut breit. Vor allem getrieben von postmodernen und diskursethischen Ideen macht
das freiheitsfeindliche Unwort von der "Parallelgesellschaft" die
Runde. Aber wer entscheidet denn, welche Kultur nun nicht auf Linie, sondern
auf der Nebenlinie, also "parallel" ist? Schon jetzt wird Kindererziehung
staatlich reguliert, Eltern wird immer mehr mißtraut. Wenn sich christliche Eltern
gegen Gender-Erziehung oder Sexualtraining in der Grundschule wehren, ist Beugehaft
längst kein Einzelfall mehr. In den USA wurden bereits Asylanträge für deutsche
Christen gewährt. Wenn aber der kulturelle Hochmut schon die "Parallelgesellschaft"
der Christen aus dem Land drängt, auf deren Glauben unsere Zivilisation aufbaut
- wie können wir dann von Menschen aus fremden Kulturen Integration erwarten?
Hochmut und Angst vor "Parallelgesellschaften"
sind nicht liberal. Liberal ist politische Demut. Viele Fragen der
Lebensgestaltung können und müssen den kleineren sozialen Einheiten der
Gesellschaft überlassen werden, den Familien, Vereinen, Kirchen usw. Der
Schlüssel für kulturelle Vielfalt ist dabei weniger das Verständnis für den Anderen,
sondern die Fähigkeit, den Anderen auch dann zu akzeptieren, wenn wir seine
Kultur nicht verstehen.
Der Liberalismus ist
die Lösung der Integrationsprobleme - weltweit
Ich träume von einer Gesellschaft, in der Menschen Chancen
haben und den Antrieb, etwas aus sich zu machen. Eine Gesellschaft, in der sich
Menschen Anerkennung für ihre eigenen Leistungen erwerben und stolz auf sich sein
können. Eine Gesellschaft, in der mein Nachbar sich nicht fragen muß, ob er
meine vier Kinder bezahlt. Und ich träume von einer Gesellschaft, in der ich
meinen Kindern Werte mitgeben kann, ohne dass sie als "parallel"
geschmäht werden - und zwar deshalb, weil in meinem Traum ein Nebeneinander von
Parallelgesellschaften der Normalfall ist. In den USA gibt es derzeit noch die Ruinen
eines solchen Traums zu bewundern, dort können wir viel über Auf- und Abbau des
liberalen Integrationsprogramms lernen.
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