Sonntag, 23. Oktober 2011

Soziale Massenvernichtungswaffen als Ursache der Schuldenkrise


Seit Jahrzehnten wachsen die Staatshaushalte, besonders die Umverteilungssysteme. Hier entstehen Defizite und Schulden, die Belastung steigt mit dem demografischen Wandel. Der Wohlfahrtsstaat entpuppt sich als soziale Massenvernichtungswaffe. Die Waffen müssen abgebaut werden, Kernelement sozialer Nachhaltigkeit ist die Familie.

 
Der Staat wächst mit der Umverteilung

Die Schuldenkrisen in den USA und in Europa haben verschiedene Ursachen. Einerseits muß gefragt werden, wie verschwenderische Staaten immer und immer wieder neue Kredite erhalten konnten. Andererseits muß aber auch danach gefragt werden, wo denn das ganze Geld bleibt. Und warum hantiert der Staat mit immer größeren Beträgen? Noch vor 1900 beanspruchten die Staaten der Industrieländer nicht mehr als 13 Prozent der Wirtschaftsleistung ihrer Völker. 1960 waren es schon 30 Prozent. Heute vereinnahmt die Bundesregierung rund die Hälfte von dem, was die Deutschen das Jahr über erwirtschaften.

Grund für das Staatswachstum ist das Anwachsen des Wohlfahrtsstaates. Der Staat verteilt einfach immer mehr Geld vom einen Bürgern zum andern. Für klassische Staatsaufgaben wie Polizeischutz, Straßenbau, Gerichtswesen oder Bildungseinrichtungen gibt der Staat nur noch rund die Hälfte seines Geldes aus. Die gesamte andere Hälfte entfällt auf Umverteilung. Und es ist auch viel zu tun, denn nur noch 48 Prozent der Deutschen beziehen ihr Einkommen aus eigener Erwerbstätigkeit. 42 Prozent der Wahlberechtigten bekommen ihr Einkommen hauptsächlich vom Staat. Und das, obwohl die Not in der westlichen Welt in den letzten Jahrzehnten nicht merklich größer geworden ist. Noch in den 50er Jahren mußte ein Haushalt etwa 40 Prozent seines Einkommens für lebensnotwendige Dinge wie Kleidung und Nahrung ausgeben. Heute gibt nicht einmal mehr das ärmste Zehntel der Haushalte über ein Viertel ihres Einkommens für diese Dinge aus. Den heutigen Armen geht es besser als den Normalbürgern ihrer Elterngeneration. Und es geht ihnen besser als den Reichen ihrer Großelterngeneration.

Schuldenberge und der demografische Abgrund

Angesichts der riesigen Umverteilungsapparate kann es nicht wundern, wenn gerade Schuldenberge angehäuft werden. In der Europäischen Union beträgt der Schuldenstand schon 75 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. In Italien und Griechenland sind es weit über 100 Prozent, also mehr als das gesamte Einkommen der Bevölkerung in einem Jahr. Ein großer Teil dieser Schulden entstand, wie in Griechenland, durch soziale Wohltaten. In Deutschland ist die relative Verschuldung geringer, aber auch hier wächst sie stetig. 1960 lagen die Staatschulden noch bei rund 20 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, heute sind es 73 Prozent. Die genannten Zahlen berücksichtigen übrigens nur die sogenannte explizite Staatsverschuldung, also nur das, was in Form von Kreditverträgen schwarz auf weiß ausgewiesen ist. Hinzu kommt aber noch die implizite Staatsverschuldung. Sie ergibt sich aus den weiteren Verpflichtungen des Staates, etwa in Form von Pensionen für Beamte. Diese implizite Staatsverschuldung beträgt ein Vielfaches der expliziten Schulden und wird auf rund 270 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung geschätzt. Insgesamt beträgt die Staatsverschuldung in Deutschland rund 6 Billionen Euro. Der riesige Schuldenberg birgt ein gewaltiges Zerstörungspotential. Denn auf Krisen kann der Staat kaum noch reagieren, die Handlungsfähigkeit des Staates ist jetzt schon stark eingeschränkt, und ein plötzlicher Anstieg der Zinsen könnte sie gänzlich einengen.

Die Lasten für den Staat wachsen durch den demografischen Wandel von Jahr zu Jahr. Immer weniger arbeitende Menschen müssen eine wachsende Zahl von Rentnern und Kranken versorgen. Seit Jahrzehnten gebären Frauen durchschnittlich nur noch 1,4 Kinder. Die Generation unserer Kinder wird ein Drittel kleiner sein als unsere Generation. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Einerseits haben technische und medizinische Entwicklungen Verhütung und Kindestötung im Mutterleib erleichtert. Wichtiger erscheinen mir aber kulturelle Entwicklungen, etwa die zunehmende Individualisierung, aber auch die Frauenemanzipation, bei der das Muttersein nicht im Vordergrund des Selbstverständnisses der Frau steht. Auch haben sich traditionelle Familienstrukturen zurückentwickelt, denn durch den mächtigen Wohlfahrtsstaat hat die wirtschaftliche und soziale Wichtigkeit der Familie abgenommen. Besonders betroffen von der Überalterung sind natürlich die Rentenkassen. Schon im Jahr 2010 mußte sie ihre Löcher mit 80 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt stopfen, und Defizite werden immer größer werden. Auch die Krankenversorgung wird zunehmend unter Druck kommen. Die Sozialsysteme entpuppen sich zunehmend als soziale Massenvernichtungswaffen.

USA: Sozialer Wohnungsbau auf Pump

In den USA wird teilweise mit anderen Methoden Sozialpolitik betrieben. Doch auch dort steht staatliche Umverteilung im Mittelpunkt, wenn auch weniger offensichtlich. Das gilt auch für den sozialen Wohnungsbau der letzten Jahrzehnte. Seit vielen Jahren betreiben die halbstaatlichen Organisationen Fannie Mae und Freddie Mac Immobilienfinanzierung nach sozialen Kriterien. Präsidenten wie Roosevelt, Johnson und Clinton betrachteten dieses soziale Wohnungsbauprogramm als geeignetes wohlfahrtsstaatliches Instrument. Mit der Verabschiedung des Community Reinvestmant Act erfolgte die Finanzierung dann zu rund 50 Prozent nach sozial- und diskriminierungspolitischen Kriterien ("Subprime"). Bis Juni 2008 häuften sich in Höhe von 5 Billionen US-Dollar-Kredite an, die aber tatsächlich fast wertlos waren. Die meisten dieser Kreditforderungen waren längst ins Ausland verkauft, bevor ihre Wertlosigkeit bekannt wurde. Als sich rumgesprochen hatte, was die staatlich geförderten Subprime-Papiere wirklich wert sind, führte das im September 2008 zum Zusammenbruch von Lehmann Brothers und damit zur Weltfinanzkrise. Dieser wirtschaftliche Gau kostete allein in Deutschland jeden Bürger umgerechnet insgesamt 9000 Euro. Durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise ist in den USA die Staatsverschuldung sprunghaft gewachsen und liegt bei etwa 83 Prozent der amerikanischen Jahreswirtschaftsleistung. Auch hier entpuppten sich die Instrumente des Wohlfahrtsstaates als soziale Massenvernichtungswaffen.

Das Systems birgt Gefahren

Durch die Überfrachtung mit sozialen Aufgaben wurden die Staaten geschwächt. Das Anwachsen der Staatsquoten im 20. Jahrhundert und das Aufblähen des Umverteilungsapparates hat die Staaten nicht etwa stärker, sondern handlungsunfähig gemacht. Staaten wurden zu Getriebenen der Lasten, die sie sich selbst aufgeladen haben. In diesem Zustand sind die Staaten nicht fähig, die Herausforderungen der Globalisierung bewältigen zu können. Der Ordoliberale Walter Eucken hielt einen "Starken Staat" für notwendig, hatte aber bewußt einen Staat vor Augen, der seine Stärke durch die Konzentration auf das Wesentliche erhält: "Die Zunahme der Staatstätigkeit nach Umfang und Art verleiert den Verlust von Autorität des Staates, der mächtig scheint, aber abhängig ist."

Die Frage danach, welches Niveau an Umverteilung als gerecht empfunden wird, führt nicht weiter. Wir müssen statt dessen danach fragen, welches Sozialsystem funktionieren kann. Die jetzt bestehenden sozialen Sicherungssysteme sind nicht nachhaltig. Sie verdrängen private Fürsorge und Familienstrukturen, sie setzen falsche Anreize, sie lasten dem Staat riesige Schuldenberge auf und sie machen ihn handlungsunfähig. Dadurch befördern sie Wirtschaftskrisen. Im Interesse der sozialen Nachhaltigkeit muß es deshalb darum gehen, soziale Massenvernichtungswaffen schrittweise abzubauen.

Wege zu sozialer Nachhaltigkeit

Doch wie kann der Abbau vor sich gehen? In den USA wurde 1997 der Anspruch auf Sozialhilfeleistungen auf maximal fünf Jahre begrenzt. Sozialhilfe solle kein Lebensmodell sein, so die Botschaft von Bill Clinton. Die Zahl der Anträge auf Sozialhilfe, etwa durch alleinzerziehender Mütter, sank daraufhin deutlich. In Chile wurde das staatliche Rentensystem schon 1980 gegen demografische Risiken abgesichert. Man hat das bestehende Umlageverfahren durch ein kapitalgedecktes Verfahren ersetzt. Unter staatlicher Regulierung sorgt jeder Bürger für sine eigene Altersvorsorge. Durch die Anhäufung von volkswirtschaftlichem Kapital kamen in der Folge Investitionen in Gang. Das Zinsniveau sinkt so auf natürliche Weise, weil den Banken mehr tatsächliche Ersparnisse zum Verleihen zur Verfügung stehen. Die Arbeitnehmer können frei entscheiden, wann und unter welchen Bedingungen sie in den Ruhestand gehen wollen. Außerdem werden die Arbeiter im chilenischen System durch ihre Investitionsentscheidungen selbst zu aktiven und wachen Teilnehmern des Kapitalmarktes. Es gibt aber noch viele weitere praktische Beispiele dafür, wie die Nachhaltigkeit des Wohlfahrtsstaats gestärkt werden kann.

Letztlich wird soziale Nachhaltigkeit aber erst möglich werden, wenn der Staat dem Bürger Verantwortung zutraut. Die Bürger müssen ihrerseits zu Verantwortung bereit sein, in dem sie eigene Sozialstrukturen aufzubauen und pflegen. Werte und Glauben sind dabei ein wichtiges Fundament einer sozial nachhaltigen Gesellschaft. Denn ohne Solidarität im Kleinen und ohne Hilfsbereitschaft gegenüber dem Nächsten ist soziale Nachhaltigkeit nicht möglich, wenn der Wohlfahrtsstaat wegbricht. Besonders wichtig ist dabei die traditionelle Familie nach biblischem Vorbild. Sie bietet wichtige Komponenten für soziale Nachhaltigkeit und hat ihre Tragfähigkeit bewiesen. Das Modell der Familie hat über Jahrtausende und kulturübergreifend für soziale Wärme und Pflege im Alter und bei Krankheit gesorgt. Sozialpolitik muß deshalb vor allem die Familie fördern, anstatt sie ersetzen zu wollen. Der Abbau der sozialen Massenvernichtungswaffen ist nur dann möglich, wenn auf die Familie Verlaß ist.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen