Samstag, 4. April 2015

Hayek: Hirnforschung für eine freie Gesellschaft

Die Basis der Freiheit ist ein realistisches Menschenbild
Friedrich August von Hayek -
einer der bedeutendsten Denker des Liberalismus

Für Liberale ist der Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek einer der bedeutendsten Denker des Liberalismus. Weniger bekannt sind seine Leistungen auf dem Gebiet der Theoretischen Psychologie und der Erkenntnistheorie. Seine Überlegungen auf diesem Gebiet brachte er 1952 in „The Sensory Order – An Inquiry into the Foundations of Theoretical Psychology“ zu Papier. Darin beschreibt er die Funktionsweise des Gehirns. Diese Arbeiten sind ein Fundament seines ökonomischen und politischen Denkens. In „Economics and Knowledge“ zeigt er, wie sich ein wirtschaftliches Gleichgewicht auf Märkten durch Lernprozesse der Marktteilnehmer einstellt. In „The Use of Knowledge in Society“ beschreibt er, dass eine Wirtschaftsordnung nur nützlich ist, wenn sie das verstreute Wissen der Bürger nutzbar machen kann. Das Wissensproblem stand auch im Mittelpunkt seiner Nobelpreisrede mit dem Titel „Die Anmaßung von Wissen“.

Einsicht in das Wesen des Menschen ist auch heute eine Voraussetzung zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Aus Hayeks Arbeiten folgen zwei zeitlose Lehren: Erstens die Überlegenheit von Märkten gegenüber staatlicher Planung. Der Wettbewerb ist ein Entdeckungsverfahren, das Wissenslücken schließt. Und zweitens die Wichtigkeit bestehender Traditionen und Institutionen. Sie haben sich irgendwann im Wettbewerb durchgesetzt und sind der Wissensspeicher der Gesellschaft. Doch leider werden diese beiden Lehren oft nur noch halbherzig berücksichtigt, auch unter Liberalen. Vertrauen wir dem Wettbewerb etwa auch dann, wenn es um Bildung, Finanzmärkte oder um Europa geht? Respektieren wir die zentralen Institutionen des Abendlandes: Familie, Privateigentum und Religion?

Eine Kraft des klassischen Liberalismus sollte sich in politischen und gesellschaftlichen Fragen an gesicherten Erkenntnissen über das Wesen des Menschen orientieren, nicht an Ideologien. Das war der Weg Hayeks. Eine politische Kraft, die diesen Weg des klassischen Liberalismus geht, hätte nicht nur einen legitimen, sondern auch einen dauerhaften Platz im politischen System Europas. Ein organisierter Liberalismus, der sich an Ideologien orientiert, wird den Weg aller Ideologien gehen und verschwinden. Sehr bald. Und zu Recht.

Dieser Artikel erschien in freiraum, der Zeitschrift der Stipendiaten und Altstipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Ausgabe 1/2015, April 2015.
 

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