Donnerstag, 12. April 2012

Die Genossenschaft: Ein ordnungspolitischer Beitrag zu Nachhaltigkeit und Freiheit


Im Vergleich zu anderen Unternehmensformen sind Genossenschaften besonders nachhaltig. Dennoch sollten „gute“ Genossenschaften nicht als Gegensatz zu den „bösen“ Kapitalgesellschaften gesehen werden.  In politischer Hinsicht stützen Genossenschaften die freiheitliche Bürgergesellschaft.

In einem neuen Papier der der Friedrich-Ebert-Stiftung  mit dem Titel „Wirtschaftliche Nachhaltigkeit statt Shareholder Value“ [i] beschreibt der Autor Johannes Blome-Drees das Geschäftsmodell der eingetragenen Genossenschaft (eG) als besonders nachhaltig und krisenfest. Genossenschaften seien geradezu ein „Hort der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit“. Grund für die Vorzüge der Genossenschaft sei die Orientierung am Menschen. In Deutschland gebe es rund 8000 Genossenschaften mit über 20 Mio. Mitgliedern. Die besondere Nachhaltigkeit zeige sich besonders deutlich an der verhältnismäßig geringen Anzahl der Insolvenzen, dies habe sich auch im Krisenjahr 2009 bestätigt. Die Wahrscheinlichkeit eines Konkurses betrage bei Genossenschaften nur etwa ein Fünftel im Vergleich zum Durchschnitt aller Unternehmen in Deutschland. Der Autor empfiehlt die Förderung des Genossenschaftsgedankens zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen.

Soweit kann ich dem Autor zustimmen. Die Idee eines Unternehmens zur wechselseitigen Förderung der Mitgliederinteressen ist die Idee hinter der Genossenschaft, diese Idee steht in besonderer Weise für wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Die grundsätzliche Orientierung der Genossenschaft am Nutzen der Mitglieder „befreit“ die Manager dieser Unternehmen weitgehend davon, wirtschaftliche Risiken eingehen zu müssen. Dennoch wäre es falsch, einen Gegensatz zwischen bösen Kapitalgesellschaften und den guten Genossenschaften skizzieren zu wollen, wie es das Papier der Ebert-Stiftung andeutet. So steht der Mensch in einer Kapitalgesellschaft nicht weniger „im Mittelpunkt“ als in der Genossenschaft. Nur die Ziele und die Regeln sind anders festgelegt. Auch sind Genossenschaften nicht „uneigennützig“, auch bei landwirtschaftlichen Genossenschaften ist der Nutzen der Mitglieder das Motiv. Ob Genossenschaften ihren Kunden das für sie optimale Produkt anbieten hängt auch bei Volksbanken von den Vergütungskonditionen der Verkäufer ab. Auch sind Genossenschaften nicht unabhängig von der Finanzbranche. Das zeigt sich etwa bei rund 2000 Wohnungsgenossenschaften, deren Kapital heutzutage in nicht unerheblichem Umfang als Fremdkapital von Banken gestellt wird. Auch sollte man sich von dem Gedanken lösen, die Wirtschaft könne grundsätzlich genossenschaftlich organisiert werden. Gerade in Wirtschaftsbereichen, in denen es besonders stark auf Risikobereitschaft und Forschung ankommt wie etwa in der Pharmaindustrie wäre ich skeptisch. 

Dennoch stimme ich dem Papier grundsätzlich zu: Der Nutzen des Genossenschaftsmodells für Wirtschaft und Gesellschaft ist längst nicht ausgeschöpft. Die Unternehmensform „eG“ sollte von der Ordnungspolitik als Variante zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen besonders gefördert werden. Denn Genossenschaften leisten nicht nur einen wertvollen Beitrag für eine stabile und nachhaltige Wirtschaft: Die Genossenschaft ist auch eine urliberale Idee! Denn es stärkt die freiheitliche Gesellschaft, wenn Bürger tun sich zusammentun, um in Eigenregie kleine und große wirtschaftliche Herausforderung zu bewältigen. Genossenschaften können so dabei helfen, Herausforderungen ohne den Staat zu bewältigen. Darüber hinaus sind Genossenschaften – richtig verstanden – ein gutes Modell für ein liberales Politikverständnis. Denn wenn wir den Staat als Bürgergenossenschaft verstehen, als gemeinsames Unternehmen zum wechselseitigen Vorteil der Bürger, dann steht nicht mehr der Staat, sondern der Bürger im Mittelpunkt. Dann geht es nicht mehr um Kraft, Größe und Stärke der Regierung, sondern dann ist der Maßstab der Politik die Bürgersouveränität. Und das ist vor allem eines: Nachhaltig!
 



[i] Blome-Drees, J. (2012). Wirtschaftliche Nachhaltigkeit statt Shareholder Value - Das genossenschaftliche Geschäftsmodell. Friedrich Ebert Stiftung. Bonn, Friedrich Ebert Stiftung,.
               

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