Im Vergleich zu
anderen Unternehmensformen sind Genossenschaften besonders nachhaltig. Dennoch
sollten „gute“ Genossenschaften nicht als Gegensatz zu den „bösen“
Kapitalgesellschaften gesehen werden. In
politischer Hinsicht stützen Genossenschaften die freiheitliche
Bürgergesellschaft.
In einem neuen Papier der der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel „Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
statt Shareholder Value“ [i]
beschreibt der Autor Johannes Blome-Drees das Geschäftsmodell der eingetragenen
Genossenschaft (eG) als besonders nachhaltig und krisenfest. Genossenschaften
seien geradezu ein „Hort der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit“. Grund für die
Vorzüge der Genossenschaft sei die Orientierung am Menschen. In Deutschland
gebe es rund 8000 Genossenschaften mit über 20 Mio. Mitgliedern. Die besondere
Nachhaltigkeit zeige sich besonders deutlich an der verhältnismäßig geringen
Anzahl der Insolvenzen, dies habe sich auch im Krisenjahr 2009 bestätigt. Die
Wahrscheinlichkeit eines Konkurses betrage bei Genossenschaften nur etwa ein
Fünftel im Vergleich zum Durchschnitt aller Unternehmen in Deutschland. Der
Autor empfiehlt die Förderung des Genossenschaftsgedankens zur Bewältigung
zukünftiger Herausforderungen.
Soweit kann ich dem Autor zustimmen. Die Idee eines
Unternehmens zur wechselseitigen Förderung der Mitgliederinteressen ist die
Idee hinter der Genossenschaft, diese Idee steht in besonderer Weise für wirtschaftliche
Nachhaltigkeit. Die grundsätzliche Orientierung der Genossenschaft am Nutzen der
Mitglieder „befreit“ die Manager dieser Unternehmen weitgehend davon,
wirtschaftliche Risiken eingehen zu müssen. Dennoch wäre es falsch, einen
Gegensatz zwischen bösen Kapitalgesellschaften und den guten Genossenschaften
skizzieren zu wollen, wie es das Papier der Ebert-Stiftung andeutet. So steht
der Mensch in einer Kapitalgesellschaft nicht weniger „im Mittelpunkt“ als in
der Genossenschaft. Nur die Ziele und die Regeln sind anders festgelegt. Auch
sind Genossenschaften nicht „uneigennützig“, auch bei landwirtschaftlichen
Genossenschaften ist der Nutzen der Mitglieder das Motiv. Ob Genossenschaften ihren
Kunden das für sie optimale Produkt anbieten hängt auch bei Volksbanken von den
Vergütungskonditionen der Verkäufer ab. Auch sind Genossenschaften nicht
unabhängig von der Finanzbranche. Das zeigt sich etwa bei rund 2000
Wohnungsgenossenschaften, deren Kapital heutzutage in nicht unerheblichem
Umfang als Fremdkapital von Banken gestellt wird. Auch sollte man sich von dem
Gedanken lösen, die Wirtschaft könne grundsätzlich genossenschaftlich
organisiert werden. Gerade in Wirtschaftsbereichen, in denen es besonders stark
auf Risikobereitschaft und Forschung ankommt wie etwa in der Pharmaindustrie
wäre ich skeptisch.
Dennoch stimme ich dem Papier grundsätzlich zu: Der Nutzen
des Genossenschaftsmodells für Wirtschaft und Gesellschaft ist längst nicht
ausgeschöpft. Die Unternehmensform „eG“ sollte von der Ordnungspolitik als
Variante zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen besonders gefördert werden. Denn Genossenschaften
leisten nicht nur einen wertvollen Beitrag für eine stabile und nachhaltige
Wirtschaft: Die Genossenschaft ist auch eine urliberale Idee! Denn es stärkt die
freiheitliche Gesellschaft, wenn Bürger tun sich zusammentun, um in Eigenregie kleine
und große wirtschaftliche Herausforderung zu bewältigen. Genossenschaften
können so dabei helfen, Herausforderungen ohne den Staat zu bewältigen. Darüber
hinaus sind Genossenschaften – richtig verstanden – ein gutes Modell für ein
liberales Politikverständnis. Denn wenn wir den Staat als Bürgergenossenschaft
verstehen, als gemeinsames Unternehmen zum wechselseitigen Vorteil der Bürger,
dann steht nicht mehr der Staat, sondern der Bürger im Mittelpunkt. Dann geht
es nicht mehr um Kraft, Größe und Stärke der Regierung, sondern dann ist der
Maßstab der Politik die Bürgersouveränität. Und das ist vor allem eines:
Nachhaltig!
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